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Psychische Belastungen am Arbeitsplatz ernst nehmen

11.09.2013 - Ständige Erreichbarkeit und hohe Anforderungen im Beruf können langfristig psychische Erkrankungen begünstigen. Wenn Stress und psychische Belastungen chronisch werden oder dies bei Arbeitnehmern zu regelmäßigem Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch führt, besteht Handlungsbedarf.

Langfristige Auswirkungen

Wird eine akute psychische Erkrankung nicht behandelt, kann sie langfristig zu Depressionen, Burn-out oder Suchterkrankungen führen. Für den Arbeitnehmer kann dies bis zum Arbeitsplatzverlust führen. Für den Arbeitgeber bedeutet dies vor allem vermehrte Fehlzeiten und eine verringerte Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers. Soweit sollte es nicht kommen. Die Arbeitsmediziner der TÜV warnen vor den Gefahren psychischer Belastungen am Arbeitsplatz und empfehlen, frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen.

Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch

Etwa ein Drittel aller Arbeitnehmer leidet laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter Termin- und Leistungsdruck. Problematisch sei, dass bestimmte belastende Arbeitsbedingungen bei Arbeitnehmern Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch begünstigen könnten, so die TÜV-Arbeitsmediziner. Vor allem nicht verschreibungspflichtige Medikamente, wie Beruhigungs-, Schmerz- und Schlafmittel würden vermehrt eingenommen werden. Sie können zu Konzentrationsstörungen und verlangsamten Reaktionen am Arbeitsplatz führen. Wird bei einem Arbeits- oder Wegeunfall die missbräuchliche Einnahme dieser Mittel nachgewiesen, kann der Versicherungsschutz für den Arbeitnehmer erlöschen.

TÜV-Empfehlung: Beratung durch den Betriebsarzt

Die TÜV-Arbeitsmediziner raten Arbeitnehmern andauernden psychischen Stress am Arbeitsplatz sowie Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch ernst zu nehmen und sich an ihren Arbeitgeber zu wenden. Dieser muss im Zuge seiner gesetzlichen Fürsorgepflicht für die Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter sorgen und den Betriebsarzt verständigen. Den medizinischen Grund der Anfrage muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber nicht offen legen. Der Betriebsarzt stellt im Rahmen einer Arbeitsplatz- und Gefährdungsbeurteilung sowie individuellen Untersuchung des Beschäftigten die Ursachen für eine psychische Belastung fest. Ziele der Beratung sind gezielte individuelle Lösungen zur Suchtprävention und Stressabbau.

Schutz vor psychischen Belastungen am Arbeitsplatz

Generell sollte der Schutz vor psychischen Belastungen am Arbeitsplatz so selbstverständlich sein, wie der Schutz vor Lärm oder Chemikalien. Die TÜV- Arbeitsmediziner betonen, dass Betriebsärzte gegenüber den Arbeitgebern der Schweigepflicht unterliegen, sodass betroffene Mitarbeiter keine Konsequenzen zu befürchten haben. Die Kosten des Betriebsarztbesuchs hat der Arbeitgeber zu tragen.

redaktionell verantwortlich: mittelstanddirekt